Über 500 Seiten Erläuterungsbericht für einen Nutzungsplan in der Stadt Zürich. Jetzt soll die Bevölkerung mitwirken.

Veröffentlicht am 19. März 2026 um 06:28

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Die revidierte Bau- und Zonenordnung (BZO) der Stadt Zürich ist seit gestern öffentlich.

 

Mitwirkung in der Raumplanung hat einen klaren Sinn. Sie soll Dialog schaffen. Sie soll die Bevölkerung befragen, bevor Entscheidungen fallen. Sie soll Akzeptanz für das ermöglichen, was am Ende steht, und sie soll die Planungsbehörden mit besseren Grundlagen versorgen. Dies, weil Menschen, die vor Ort leben, wissen, was fehlt.

So sieht es das Raumplanungsrecht vor. So ist es gedacht. Doch was passiert in der Stadt Zürich im Jahr 2026?

Die Bevölkerung steht vor über 500 Seiten Erläuterungsbericht und weiteren Dokumenten. Keine Szenarien. Kein verständlicher Satz darüber, was mehr Wohnraum für sie bedeuten würde, und zwar weder in der Menge noch in der Preisgestaltung. Stattdessen vollendete Tatsachen. Faktisch fertige Entscheide erst noch mit Vorwirkung. Die Schwierigkeiten werden ausgelagert.

Mehr bezahlbarer Wohnraum entsteht auf zwei Wegen: mehr Wohnungen und regulierte Preise. Beide Hebel müssen zusammenwirken. Regulierung ohne mehr Angebot hilft nur den wenigen Glücklichen, die schon eine Wohnung haben. Mehr Angebot ohne Regulierung hilft den Falschen.

Beides fehlt. Beides wurde nicht mit der Bevölkerung offen diskutiert. Kein Bild, das zeigt, wie ein verdichtetes Quartier aussehen könnte. Keine Szenarien, die erklären, was passiert, wenn man hier aufzont und dort nicht.

Stattdessen ein Flickenteppich eines Erläuterungsberichts, der sich in Details verliert. Vor den man die Bevölkerung stellt und sagt: jetzt könnt ihr mitwirken.

Echte Mitwirkung sähe anders aus. Sie beginnt früher. Mit Bildern. Mit Fragen. Mit dem ehrlichen Gespräch: Wo wollen wir wohnen? Wer soll sich das leisten können? Was sind wir bereit, dafür zu verändern?

Nicht mit 500 Seiten. Danach.

Die letzte BZO-Revision liegt Jahrzehnte zurück. Bringen längere Intervalle bessere Ergebnisse für die Menschen, für die wir planen? Oder verliert man dabei, was Planung eigentlich bedeutet?

Die Wirkung auf das Leben der Bevölkerung zählt. Nicht die Seitenzahl.